Jungen drängen sich mit auffälligen Verhaltensweisen und mangelnden schulischen Leistungen in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Der Blickwinkel der Lehrkräfte und Eltern auf Jungen (und Mädchen) ist dabei problembezogen und leistungsorientiert. In der Auseinandersetzung mit Jungen in der Schule gibt es wenige Beiträge, die nach den Sichtweisen und Bedürfnissen von Jungen fragen.

Eine aktuelle Befragung an allgemeinbildenden Hamburger Schulen von Andreas Krebs (siehe hier) bietet Erkenntnisse und weiterführende Fragen:
+





+




+




+



Jungen erleben im Schulalltag Verunsicherung und Selbstwertbedrohung, die zu Verhaltensweisen führen, mit denen der einzelne Junge wieder zu mehr subjektiv empfundener innerer Sicherheit zu finden hofft (beispielsweise lautstarke Abwertungen, aber auch auffälliger Rückzug).
Das Unterrichtsfach Deutsch ist bei vielen Jungen unbeliebt und wird als weibliches Fach gesehen. Gleichzeitig bewerten die befragten Jungen den Deutschunterricht als "wirklich wichtig", "nützlich", "im Alltag anwendbar" und "geistig anspruchsvoll".
In den Beschreibungen von Unterricht sowie in der Beurteilung der Jungen von Unterricht bzw. Unterrichtszufriedenheit nimmt das konkrete Auftreten der Lehrpersonen eine hervorgehobene Position ein.
Die Zukunftsvorstellungen von Jungen und die damit verbundenen Lern- und Gestaltungs-möglichkeiten in der Schule bleiben in der Befragung blass.

Die Lebensbedingungen für Frauen und Männer, Jungen und Mädchen in unserer Gesellschaft verändern sich rasant. Die Instabilität von Lebensformen, unsichere Beschäftigungsverhältnisse, Anforderungen an geografische Mobilität, an politische Partizipation und multiethnisches Zusammenleben erfordern Kompetenzen im Umgang mit Unsicherheit und mit der Veränderung von Lebensbedingungen von Seiten beider Geschlechter.
Die Erwartungen an die Geschlechterrolle und deren Ausgestaltung sind differenzierter und flexibler geworden. Nicht wenige Jungen und Männer sind verunsichert: Wie soll ich sein, was ist männlich, wohin soll ich mich entwickeln? Geschlechtsbewusste Jungen- und (Mädchen-)arbeit hat sich zu einem anerkannten Arbeitsansatz und Qualitätsmerkmal in der Jugendhilfe und in Schulen entwickelt. Jungenarbeit stellt die Kategorie Geschlecht in den Mittelpunkt ihrer Arbeit und setzt den männlichen pädagogischen Mitarbeiter, seine Fachlichkeit und seine Reflexionsbereitschaft voraus. So verstandene Jungenarbeit wirkt gewaltpräventiv und ist ein Beitrag zur Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern. Jungenarbeit sucht dabei unbedingt die Kooperation zur Mädchenarbeit.

1.

Jungen brauchen Aufmerksamkeit in der Schule. Mädchen auch!
Jungen sind nicht die Verlierer des Schulsystems. Schuluntersuchungen belegen zwar, dass Jungen aus bildungsfernen Elternhäusern bzw. aus Familien mit Migrationshintergrund schlechtere Schulleistungen zeigen. Auch sind Lehrkräfte im Schulalltag mit verhaltensauffälligen Jungen konfrontiert. Aber den Anforderungen der modernen Gesellschaft müssen sich Jungen wie Mädchen stellen und Chancengleichheit zwischen Jungen und Mädchen besteht noch lange nicht. Die Besonderheiten von Jungen und Mädchen im Lern- wie im Sozialverhalten wahrzunehmen und aus dem Schulalltag heraus gemeinsam Antworten zu finden, ist Aufgabe der Schule.
2. Jungen haben eigene Interessen im Unterricht.
Neigungen und Fähigkeiten von Jungen und Mädchen unterscheiden sich und müssen in die Themen- und Methodenauswahl im Unterricht einfließen. Die Binnendifferenzierung im Unterricht nach Geschlecht setzt Interesse an den Besonderheiten von Jungen und Mädchen voraus.
3. Jungenarbeit ist mehr als Gewaltprävention.
Sicherlich erfordern die qualitativen Veränderungen von Grenzverletzungen und Gewalt (von Jungen) im Schulalltag pädagogische Interventionen. Jungenarbeit als Feuerwehrpädagogik zu verstehen, unterschätzt aber die Möglichkeiten einer geschlechtsbewussten Arbeit mit Jungen. Weitreichende Themen der Jungenarbeit sind Lebensplanung und Berufsorientierung, Sexualität und Gestaltung von Beziehungen, soziale Kompetenzen und nichtzuletzt Gesundheit.

4. Frauen sind wichtig im Leben von Jungen, aber kein Männerersatz ...
Lehrerinnen fördern und fordern Jungen durch Zuneigung und Aufmerksamkeit, durch klare Regeln, faire Auseinandersetzungen und Klarheit der eigenen Geschlechtsrolle. Es bleibt aber Männern vorbehalten, Jungen in der Entwicklung der Geschlechtsrolle und im Aufbau einer positiven Geschlechtsidentität zu begleiten. Auch in Schulen mit wenigen männlichen Kollegen ist Jungenarbeit in Zusammenarbeit mit externen Einrichtungen möglich.